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Selbstwert stärken als Frau

1. Okt.
4 Min. Lesezeit


Du sagst Ja und merkst manchmal erst hinterher, dass es Dir eigentlich zu viel ist. Du hältst Dich in einem Gespräch zurück, obwohl Du etwas beitragen möchtest. Oder Du gehst eine Begegnung später noch einmal durch und fragst Dich, wie Du auf die anderen gewirkt hast und stellst Dein eigenes Verhalten in Frage.

Vielleicht kennst Du solche Situationen. Sie können mit einem unsicheren Selbstwert zusammenhängen: Die Reaktion anderer bekommt viel Gewicht, während Deine eigenen Bedürfnisse eher in den Hintergrund treten.

Den Selbstwert zu stärken kann bedeuten, Dich selbst ernster zu nehmen und im Kontakt mit anderen mehr bei Dir zu bleiben. Auch dann, wenn Du unsicher bist.


Was bedeutet Selbstwert

Selbstwert beschreibt, wie Du Dich selbst als Person bewertest. Er zeigt sich unter anderem darin, wie Du mit Dir sprichst, wie Du auf Fehler reagierst und welchen Stellenwert Du Deinen Bedürfnissen gibst.


Selbstvertrauen bezieht sich stärker auf das Zutrauen in Deine Fähigkeiten. Du kannst im Beruf vieles gut bewältigen und gleichzeitig große Zweifel daran haben, ob Du mit Deinen Wünschen und Grenzen willkommen bist.


Ein sicherer Selbstwert bedeutet, dass Dein Gefühl, wertvoll zu sein, weniger von Leistung oder der Zustimmung anderer abhängt.

Ergänzend kann Selbstmitgefühl helfen, mit Kritik und Fehlern umzugehen: Du erkennst an, was Dir nicht gelungen ist, und begegnest Dir dabei mit Verständnis. So kannst Du Verantwortung übernehmen, ohne Dich als Person abzuwerten.


Warum Selbstwertprobleme auch mit Erwartungen an Frauen zusammenhängen können


Selbstwertprobleme betreffen Menschen aller Geschlechter. In einer großen internationalen Studie berichteten Frauen im Durchschnitt einen niedrigeren Selbstwert als Männer. Wie groß die Unterschiede waren, variierte zwischen den untersuchten Ländern.

Solche Durchschnittswerte sagen wenig über eine einzelne Frau aus und erklären für sich genommen noch keine Ursachen.

Für das Verständnis Deiner eigenen Schwierigkeiten lohnt sich deshalb ein Blick auf Deine Lebensgeschichte, Deine Beziehungen und die Erwartungen, mit denen Du aufgewachsen bist.


Wenn Anpassung Anerkennung bringt

Wer als Mädchen vor allem dafür Anerkennung bekam, freundlich, hilfsbereit und unkompliziert zu sein, kann lernen, die Erwartungen anderer besonders aufmerksam wahrzunehmen. Eigene Wünsche wirken dann vielleicht weniger wichtig oder sogar störend.


In der psychologischen Forschung wird das Zurückhalten eigener Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse zur Sicherung einer Beziehung als „Self Silencing“ beschrieben. Dieses Muster steht unter anderem mit einem niedrigeren Selbstwert in Zusammenhang.

Vielleicht entsteht daraus eine innere Regel wie: „Ich darf meine Meinung sagen, solange niemand enttäuscht ist.“ Eine solche Regel kann es schwer machen, Dich abzugrenzen.


Wenn Selbstbehauptung zur Gratwanderung wird

Frauen können mit widersprüchlichen Erwartungen konfrontiert sein: Sie sollen selbstständig und kompetent auftreten und gleichzeitig freundlich, bescheiden und entgegenkommend bleiben.

Studien mit Bewerbungssituationen zeigen, dass die Befürchtung negativer Reaktionen Frauen dabei behindern kann, ihre eigenen Leistungen darzustellen. Das ist ein möglicher Hintergrund dafür, warum sich auch das Einstehen für eigene Bedürfnisse schwierig anfühlen kann.

Auch reale Erfahrungen mit Abwertung oder Benachteiligung können beeinflussen, wie sicher Du Dich im Kontakt fühlst. Diese Erfahrungen verdienen ebenso Aufmerksamkeit wie Deine Gedanken über Dich selbst.


Wenn Dein Wert eng mit Deinen Rollen verbunden ist

Vielleicht bist Du häufig diejenige, die organisiert, unterstützt oder für andere mitdenkt. Diese Aufgaben können Dir wichtig sein. Gleichzeitig kann die Frage auftauchen: Wie sehe ich mich selbst, wenn ich einmal weniger leisten oder geben kann?


Wenn Du Deinen Wert stark daran misst, wie hilfreich Du für andere bist, können Pausen und Grenzen Schuldgefühle auslösen. Ein erster Schritt kann sein, wahrzunehmen, welche Wünsche Du unabhängig von Deinen Aufgaben hast.


Woran Du einen unsicheren Selbstwert im Alltag bemerken kannst


Vielleicht erkennst Du Dich in einigen dieser Situationen wieder:


  • Du erklärst oder rechtfertigst ein Nein sehr ausführlich.

  • Kritik beschäftigt Dich lange, während Du Anerkennung schnell relativierst.

  • Du traust der Einschätzung anderer mehr als Deiner eigenen Wahrnehmung.

  • Du hältst Deine Meinung zurück, weil Du Angst vor Bewertung hast.

  • Du merkst erst nach einer Zusage, dass Du Deine Grenze überschritten hast.


Solche Muster lassen sich zunächst neugierig beobachten. Wann treten sie auf? Bei welchen Menschen? Und was befürchtest Du in diesen Momenten?


Eine kleine Übung für mehr Raum vor einer Zusage

Wenn Dich jemand um etwas bittet, kannst Du Dir eine kurze Pause erlauben. Zum Beispiel mit dem Satz:

„Ich möchte kurz darüber nachdenken und gebe Dir morgen Bescheid.“


In dieser Pause kannst Du Dich fragen:


  1. Was möchte ich selbst und wofür habe ich gerade Kraft?

  2. Welche Reaktion befürchte ich, wenn ich meinen Wunsch ausspreche?

  3. Welche Antwort würde meine Bedürfnisse berücksichtigen?


Vielleicht ist Deine Antwort ein Ja, ein Nein oder ein Angebot mit einer klaren Grenze. Durch die Pause bekommt Deine eigene Wahrnehmung mehr Raum.


Wie eine therapeutische Frauengruppe Deinen Selbstwert unterstützen kann


Eine Gruppe bietet die Möglichkeit, neue Erfahrungen im Miteinander zu machen: Dich zeigen, einen Wunsch aussprechen oder eine Grenze setzen und gemeinsam anschauen, was dabei passiert.


Mit Deinen Schwierigkeiten weniger allein sein

Wenn andere Frauen von ähnlichen Selbstzweifeln erzählen, kannst Du erkennen: Auch andere kennen diese Gedanken und Gefühle. Das kann entlasten und es leichter machen, über die eigenen Schwierigkeiten zu sprechen.


Rückmeldungen aus mehreren Perspektiven bekommen

Vielleicht befürchtest Du, unsicher oder anstrengend zu wirken. In der Gruppe kannst Du nachfragen, wie eine konkrete Äußerung bei anderen angekommen ist. Ihre unterschiedlichen Rückmeldungen können Dein eigenes Bild ergänzen und Dir helfen, vorschnelle Schlussfolgerungen zu überprüfen.


Neue Schritte im Kontakt üben

Du kannst zum Beispiel eine andere Meinung äußern, um Unterstützung bitten oder Nein sagen. Dabei erlebst Du Deine eigene Reaktion und die der anderen. Zusammen betrachten wir, was Du befürchtet hast, was tatsächlich passiert ist und was Dir geholfen hat.

Eine mögliche Erfahrung ist: „Ich habe einen Wunsch ausgesprochen und wurde gehört.“ Oder: „Wir waren unterschiedlicher Meinung und konnten miteinander im Gespräch bleiben.“


Voneinander lernen

Du kannst beobachten, wie andere mit ähnlichen Schwierigkeiten umgehen, und herausfinden, was davon zu Dir passt. Auch kleine Schritte einer anderen Teilnehmerin können Mut machen, selbst etwas auszuprobieren.

Diese Erfahrungen können eine Grundlage dafür sein, Deine Bedürfnisse im Alltag deutlicher wahrzunehmen und zu vertreten. Die therapeutische Begleitung hilft dabei, Rückmeldungen einzuordnen, Unsicherheit zu besprechen und passende Schritte für Dich zu finden.


Gruppentherapie für Frauen in Donaueschingen


In meiner therapeutischen Kleingruppe „Sicherer im Kontakt“ beschäftigen wir uns mit diesen Themen: mehr bei Dir bleiben, Grenzen wahrnehmen, weniger Angst vor Bewertung und neue Erfahrungen im Kontakt machen.


Die Gruppe umfasst sechs wöchentliche Termine mit maximal sieben Teilnehmerinnen. Der erste Termin dient dem Kennenlernen, Ankommen und kennenlernen von mir und meiner Arbeitsweise. Anschließend entscheidest Du, ob Du an den weiteren fünf Terminen teilnehmen möchtest.


Wenn Du herausfinden möchtest, ob das Angebot zu Dir passt, können wir dies in einem kostenfreien telefonischen Kennenlerngespräch von 15 Minuten gemeinsam besprechen.


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© 2025 Alexandra Gerl  
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